Tessiner Zeitung 22/23 Juli 2004/
von Rolf Amgarten

Schaffung eines neuen Stiftungsrats ist das A und 0

 Eranos-Inventar und Idee für Zukunft retten

Die Liegenschaft plus Inventar war schon stärker vom Verkauf bedroht als heute. Dennoch ist es eine harzige Rettungsaktion.

MOSCIA/ASCONA - Daniele Bonetti und seine Mitkämpfer aus dem Locaneser Bildungsbürgertum haben einen Traum: Die Stiftung und die Casa Eranos retten. Für ihre Zukunft gar einen neuen Nutzungsplan auf die Beine zu stellen. Eranos soll wieder zum wichtigen Zentrum des europäische Geistesleben werden, das es einst war. 1933 von Olga Froebe-Kapteyn inspiriert vom Freudschüler C.G. Jung gegründet, konnte die Stiftung drei Häuser plus Park in Moscia bei Ascona zum Treff internationaler Forschung zu Religions- oder Psychologisch-Analytischen Fragen machen. Bonetti träumt davon, dieses Zentrum gar in eine Art Welterbe für heilige und der Religionsforschung verpflichtete Stätten zu bringen.

Vorerst drücken die Schulden. Die Stiftung Eranos, die in den letzten zehn Jahren schon einige Stiftungsrätin gesehen hat, ist bei der Volkart-Stiftung in Winterthur mit rund 4 Millionen Franken verschuldet. Die Volkart, aus der gleichnamigen Pensionskasse entstanden, ist der Förderung von gemeinnützigem Tun, insbesondere im Kulturbereich, verpflichtet. Man habe schließlich Garantien in Form von Hyposchuldbriefen und man wolle die Stiftung nicht via Konkursantrag stilllegen, erklärte Herbert Kuhn von der Volkart-Stiftung deren Geduld. Er hat einen guten Draht zur derzeit alleinigen Stiftungsrätin Maria Danioth.

Ursprünglich, so war zu erfahren, war allerdings bis vor einiger Zeit die Option Veräußerung der Liegenschaften und des Inventars zwecks Schuldsanierung noch aktuell. Heute ist man offenbar auch auf Anstoß der Tessiner-Retter auf der Suche nach Bankgarantien und einem Kredit bei der BancaStato. Solche Geschäfte könnten allerdings frühestens dann eingefädelt werden, wenn der Stiftungsrat erneuert ist und überhaupt erst passende Statuten erstellt sind. Diese müssten dann von der Stiftungsaufsicht des Bundes genehmigt werden. Weiter müsste noch der Revisionsbericht mit Bilanzprüfung des Jahres 2003 auf dem Tisch liegen, erklärte Mauro Martinoni, kantonaler Chefbeamter für Bildung und möglicher neuer Einsitzer in der Stiftung für den Kanton. Offizielle Informationen seitens der Stiftung dazu werden in cirka 15 Tagen in Ascona vorgelegt, so Kulturamtschefin Paola Cerutti. Sie hätte man gerne als Vertreterin der Ortsgemeinde im Interims-Stiftungsrat. Eigentlich hätte das neue Gremium schon im Januar dieses Jahres Fakt werden sollen. Irgendwo gibt es Bremsklötze. Nicht klar ist, ob der erste Schritt, die neuen Statuten, schon realisiert ist. Die Stiftungspräsidentin Danioth will dazu derzeit nichts sagen und der StiftungsNotar, aktueller Ständeratspräsident und FDP-Politiker Fritz Schiesser, sei ferienhalber nicht zu erreichen, war in seiner Kanzlei zu erfahren. Ohne einen neuen Stiftungsrat aber, indem wichtige Tessiner Vertreter der öffentlichen Hand mitbestimmen werden, dürfte die Hoffnung auf Bankgarantien nicht von großem Erfolg gezeichnet sein.